GUTEN TAG,

 

Der Osten, das muss auch der eingefleischteste Wessi zugeben, ist der aufregendere Teil Deutschlands. Erst ging es, statt dass Landschaften blühten, steil bergab. Dann entdeckten die Filmleute, dass die gründlich umgerührten »neuen Bundesländer« bessere Geschichten zu erzählen haben als der satte Westen. Inzwischen gibt es Pegida und seine Gegner. Nicht alles schön. Aber in Bewegung.

 

Die jungen Leute haben das als erste kapiert, sie ziehen seit Jahren in ostdeutsche Städte. Nach Dresden, Jena, sogar nach Greifswald, das näher an Lettland liegt als am Schwarzwald. Aber nur eine Stadt ist so erfolgreich, dass sie peinliche Etiketten aufgeklebt bekommt: Boomtown, Hypezig, das bessere Berlin. Leipzig, so liest man, sei ein unermesslicher, als Stadt verkleideter Freiraum, dessen Hausbesitzer jedem eine Prämie überreichen, der einen Mietvertrag unterschreibt. Ein Wunschort für alle, die viel Fantasie und wenig Geld haben. 

 

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„Da-Deng!“, sagt mein Sohn,wenn er dringend eine Banane braucht. „Da-Deng“ sagt er, wenn auf dem Dach gegenüber eine Krähe landet. „Da-Deng“ heißen ferner Omnibusse, Trinkgläser und Smartphones. Sein übriger Wortschatz umfasst die Worte Wawa, Wüwü, Mama und Baba. Sogar mir als stolzem Vater kommt das überschaubar vor.

 

Aber das gilt nur aus der Sicht eines Erwachsenen. Denn in den 15 Monaten, die seit seiner Geburt vergangen sind, hat er Wundersames geleistet: Scheinbar ohne jegliches Wissen darüber, was Sprache ist, wozu sie dient und welchen Gesetzen sie folgt, hat er einen Schwall von Lauten sor- tiert und Regelmäßigkeiten erkannt. 

 

In wenigen Monaten wird mein Sohn seinen Vokabelspurt beginnen. Dann lernt er täglich bis zu zehn neue Begriffe – ganz ohne Lehrbuch und Hausaufgaben. In einigen Jahren wird er wie selbstverständlich wissen, dass es „das Ding“ heißt, aber „der Hund“. Eines Tages wird er in seinen Bewerbungen schreiben, Deutsch sei seine Muttersprache. 

 

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* die ersten Sätze aus zwei Texten von mir – der erste eine Reportage im Magazin der Leibniz-Gemeinschaft über den Boom Leipzigs; der zweite ein Report über den kindlichen Spracherwerb in GEO.

 

Was Sie gerade von mir lesen können...

 

...oder kürzlich lesen konnten:

 

GEO, 8/16: Wie die Sprache in den Kopf der Kinder kommt – und was geschehen müsste, damit das nicht so häufig scheitert

 

GEO, 6/16: Warum wir monogam leben, welche Gene glücklich machen und was Bäume uns auf Twitter sagen

 

GEO Kompakt, 6/16: Wie früh Babys sehen, hören, greifen können und warum Forscher überhaupt davon wissen


GEO Wissen Ernährung, 5/16: Warum Meeresalgen das perfekte Nahrungsmittel sind. Und warum sie dennoch kaum gegessen werden

 

Leibniz-Magazin, 4/16: Warum jetzt alle nach Leipzig ziehen – eine Radtour mit zwei Experten

 

Nido, 3/16: Warum ich in eine politische Partei eintreten sollte – es bisher aber nicht getan habe

 

GEO, 3/16: Warum Wassertropfen aus eigener Kraft in die Höhe hüpfen. Warum man mit steinernen Augen sehen kann. Und was in aller Welt Ununpentium ist

 

GEO, 12/15: Wie ein politischer Mediator zwischen verfeindeten Völkern vermittelt. 

 

 

 

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