HALLO,

an einem lauen Spätsommerabend 1989 verlässt Heidi Hazell ihr Haus in Unna-Maaßen und steigt in ihren schwarzen Saab. Als sie das Auto auf die Straße lenkt, tritt hinter einem Gebüsch ein Mann hervor, er trägt eine Armeeuniform des Vereinigten Königreichs und eine Waffe. Nichts davon ist ungewöhnlich; in der Nähe sind britische Soldaten stationiert.

Allerdings trägt der Mann keine britische Waffe, sondern eine Kalaschnikow. Und er bringt das Sturmgewehr in Anschlag, richtet die Mündung genau auf Hazell. Dann eröffnet er das Feuer. Hazell drückt das Gaspedal durch. Als der Saab gegen die Mauer der benachbarten Kirche prallt, ist sie bereits tot. Heidi Hazell, die deutsche Frau eines Hauptfeldwebels aus Nottingham, hatte keine Feinde. Zumindest keine, von denen sie wusste.

 

Knapp 1000 Kilometer weiter nordwestlich, zwischen der Irischen See und dem offenen Atlantik, hat eine Gruppe verbitterter, radikaler, zu beinahe jeder Form von Gewalt bereiter Kämpfer beschlossen, dass Heidi Hazell ihr Leben verwirkt hatte. Am Tag nach dem Mord räumt die die Irish Republican Army (IRA) in ihrem Bekennerschreiben zwar ein, sie habe Hazell fälschlich für „eine Angehörige der Streitkräfte der britischen Krone“ gehalten. Aber statt den Irrtum zu bedauern, verkündet die IRA, der Anschlag sei als Warnung an Zivilisten zu verstehen, „sich von britischem Militärpersonal fernzuhalten.“*

 

* Ein Auszug aus einem Text von mir über den nordirischen Bürgerkrieg, erschienen in P.M. History.

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